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Weltnierentag am 9.3.2017

Am 9.3.2017 fand im Rahmen des Weltnierentages an der Universitätsklinik Graz eine Veranstaltung zum Thema: „Niere und Adipositas“ statt. Das Thema traf offensichtlich den Nerv der Zeit, denn der Hörsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Angeboten wurden Vorträge zu den Themen: „Niere und ihre Erkrankungen“ (Prof. Dr. Sabine Zitta, Nephrologie), „Niere und Adipositas aus der Sicht des Stoffwechselexperten“ (Prof. PDDr Harald Sourij, Diabetes Ambulanz), „Niere und Adipositas aus der Sicht der Diätologin“ (Maria Leopold MSc, Diätberatung) und „Acht goldene Regeln zur Nierengesundheit“ (Prof.Dr. Alexander Rosenkranz, Nephrologie) an der Universitätsklinik Graz.

Vor der Veranstaltung traf ich am Buffet eine ältere Dame, zu der ich mich gleich hingezogen fühlte. Ihre Augen strahlten und sie hatte ein offenes Lächeln welches mich sofort für sie einnahm. Ich sprach sie einfach an und fragte sie warum sie diese Veranstaltung besuche. „Ich habe seit 23 Jahren eine transplantierte Niere!“ meinte sie. Ich war völlig paff. Bis jetzt hatte ich in meiner langen Zeit als Dialyseschwester nur wenige Patienten mit einer transplantierten Niere gesehen, die so lange „gehalten“ hat. „Wie machen sie das“? Bitte erzählen sie mir ihr Geheimnis! forderte ich die Frau auf, die sichtlich stolz war, als sie mein erstauntes Gesicht sah.

„Ich habe am ersten Tag nach der Operation zu meiner Niere gesagt: Du gehörst jetzt zu mir und wir werden zusammen sterben!“  Das wiederhole ich jeden Tag! Außerdem danke ich meiner Niere jeden Tag für mein Leben! Ich nehme meine Tabletten seit 23 Jahren zur exakten Zeit, alle 8 Stunden. Ich bin sehr positiv. Meine Nierenwerte sind nun nicht mehr so gut. Aber ich habe vor, noch einige Zeit mit meiner Niere zu leben. Ich gedenke sogar, mit ihr zu sterben.“ Sie lächelte still.  Dann meinte sie:„ Als ich Nierenkrank wurde, sagte mein Arzt, dass meine Laborwerte schlecht sind, und  ich sehr bald zur Dialyse (Nierenentgiftung mittels Maschine) gehen müsste. Dies sei unumgänglich und endgültig. Nach dieser Diagnose war ich noch 7 Jahre ohne Dialyse daheim!

Wenn man mit Bürgern wie du und ich über die Niere spricht, dann wissen wir alle, dass die Niere entgiftet. Dass sie für die Produktion des Harnes zuständig ist, dass sie aussieht wie ein kleiner Embryo im Bauch, dass wir zwei davon haben, und dass man, wenn sie nicht mehr funktioniert, eine Niere transplantieren kann. Was viele von uns nicht wissen, ist, dass die Niere ein Organ mit vielseitigen Funktionen für den Körper ist. Da ist zum Beispiel der Säure Basenhaushalt. Die Niere scheidet nicht nur aus, sie ist auch das zentrale Steuerorgan um Elektrolyte aus dem Primärharn zu filtern und sie dem Körper wieder zu zurückzuführen um ein Gleichgewicht herzustellen. Nierenerkrankungen haben verschiedene Ursachen. Es gibt sogenannte „Primäre Nierenerkrankungen“ bei denen die Niere von vorneherein geschädigt ist. Dies geschieht beispielsweise bei krankhaften Veränderungen des Nierengewebes durch Zystennieren. Das Nierengewebe wuchert und die Nierenkörperchen (Glomerula) arbeiten nicht mehr. Eine primäre Schädigung kann aber auch durch eine Vergiftung durch das Essen von Giftpilzen erfolgen. Aus der Zeitung kennst du vielleicht die Meldungen über eine Quecksilbervergiftung die durch das Arbeiten  in Goldminen entsteht, oder das Nierenversagen durch den Umgang mit asbesthaltigen Materialien. Eine andere Ursache sind Traumen durch Unfälle. Ungefähr 47% aller Dialysepatienten haben jedoch eine „sekundäre Nierenerkrankung“. Zu den größten Risikofaktoren für eine sekundäre Nierenerkrankung zählen der Diabetes Mellitus Typ 2 (Altersdiabetes) und der damit verbundenen Gefäßverkalkung, hervorgerufen durch Übergewicht, Adipositas, erhöhten Blutzucker, erhöhten Blutdruck und das Rauchen. Weltweit gibt es laut Studien momentan 600 Millionen übergewichtige Menschen. Adipositas zählt zum häufigsten Risikofaktor für chronische Nierenerkrankungen und Nierenversagen.

Was ist  der Unterschied zwischen Übergewicht und Adipositas?

Um den Unterschied zu bestimmen macht man eine sogenannte Körperfettmessung. Dazu nimmt man den „Body Mass Index“ (BMX) als Messeinheit. (Body Mass Index WHO 2000)Bei einem BMX von 25-30kg/m² spricht man von Übergewicht. Ein BMX von über 30 kg/m² bedeutet Adipositas. In der Steiermark waren nach  einer Statistik aus dem Jahre 2006, 9,6 Millionen Menschen übergewichtig und 6,6 Millionen Menschen litten an Adipositas. Abnehmen und schlank sein ist momentan das Modethema Nr. 1 in der westlichen Welt. Wir Menschen über 50 Jahre tun uns nicht mehr so leicht mit dem Körperkult. Unser Stoffwechsel verändert sich, unser Gewebe ist nicht mehr so straff und wir sind auch nicht mehr so anfällig für den Mode Wahn. Wir wollen nicht mehr mitspielen. Also müssen wir das Körperfett und die Folgen für unsere Gesundheit etwas differenzierter betrachten: Das Aussehen ist nicht  ausschlaggebend! Der typische Speck an den Hüften, von dem viele von uns ein Lied singen können, ist nicht der Übeltäter! Er mag für viele nicht so anziehend wirken, aber die „Birnenform“ macht uns nicht krank! Hingegen gefährlich für unsere Gesundheit, auf lange Sicht gesehen, ist der Bauchspeck. Der dicke Bauchumfang sorgt dafür, dass wir auf die Adipositas zusteuern.

(Carey VS etal 1997) (Kovesdy CP et al, J Nephrology 2017, “Mechanismen Adipositas und Diabetes auf Nierenerkrankungen”)

Was passiert bei der Adipositas?

Das Insulin, welches normalerweise schnell hilft, kann den Zucker nicht mehr so gut in die Zellen einbauen. Deshalb braucht ein übergewichtiger Mensch mehr Insulin als üblicherweise. Das geht so lange bis man Insulin durch Tabletten und Spritzen zuführen muss. Früher waren nur alte Menschen vom Altersdiabetes betroffen. Heute leiden oft schon Jugendliche unter dieser Form der Zuckerkrankheit.

Acht goldene Regeln für unsere Nierengesundheit:

  1. Ernährungsumstellung : Diäten sind dabei nicht hilfreich. Ganz im Gegenteil! Wer viele Diäten macht, stört durch den Jo-Jo Effekt den Insulinhaushalt nur noch mehr. Ernährungsexperten gehen sogar davon aus, dass es ungesund ist, zu schnell abzunehmen! Idealerweise nimmt der Mensch 10% des Gesamtgewichtes in 6 Monaten Das heißt, jemand der einen BMX von 27-35 kg/m² hat, nimmt jeden Tag 500 Kalorien weniger zu sich, als er verbraucht. Am wichtigsten bei der Ernährung ist der Umgang mit problematischen Lebensmitteln. Zucker macht süchtig!  Wer Übergewicht hat, tut gut daran, sich an eine Ernährungsberatung zu wenden und dauerhaft seine Ernährung umzustellen.

www.thomas –krussmann.de/Zuckergehalt von Lebensmitteln in der heutigen Zeit

  1. Bewegung: Wer Gewicht abnehmen will, muss mehr Kalorien verbrauchen, als er zu sich nimmt, und das dauerhaft. Das gelingt nur, wenn wir durch tägliche Bewegung Kalorien verbrennen. „Wer rastet, rostet!“, ist hier die Devise!
  2. Blutdruck senken: 30 Minuten Sport und Bewegung pro Tag senkt den Blutdruck um 4-9mmHG: ab einem Alter von 60 Jahren leiden 90% der Österreicher an einem erhöhten Blutdruck, das sind 2,4 Mio Menschen in Österreich. Nur die Hälfte davon weiß es. Es werden jährlich 800.000 Rezepte für Blutdrucktabletten ausgestellt. Nur 80.000 Menschen sind mit dem Blutdruck durch die Medikamente gut eingestellt. Das Ziel ist es, den Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen. Dabei ist die Faustregel bei älteren Menschen unter der Grenze von 140/90 mmHg zu bleiben.
  3. Eine optimale Blutzuckereinstellung: In Österreich leiden 6% der Menschen offiziell an Diabetes Typ2. Aber die Dunkelziffer ist viel höher, weil fünf Jahre lang keine Symptome Wenn Symptome da sind, ist der Diabetes schon weit fortgeschritten.
  4. Genügend Trinken: das Minimum ist 1-1 1/2 Liter pro Tag. Bei jüngeren Menschen ist das kein Problem. Wenn wir älter werden, verlieren wir leider auch das Durstgefühl. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Trinkmenge kontrollieren.
  5. Vermeidung von regelmäßiger Einnahme von Schmerzmedikamenten! Eine der häufigsten Nebenwirkungen der Schmerzmedikamente ist Leber – und Nierenschädigung!
  6. Kontrolle der Nierenparameter bei vorhandenen Risikofaktoren: Da Nierenerkrankungen in den ersten Jahren schleichend voranschreiten, ist die Kontrolle der Nieren bei Bluthochdruck, erhöhtem Blutzucker, Diabetes Mellitus, Adipositas und Rauchen besonders wichtig. Wenn Symptome da sind, ist es meistens schon zu spät!!
  7. Fasten: Zwischen unseren Mahlzeiten sollte einmal eine Pause von 12-15 Stunden Es gibt aktuelle Studien die belegen, dass wir zusammen mit Bewegung am besten durch Fasten abnehmen und uns gesund erhalten. Also lass einmal das Abendessen weg und gönne deinem Körper Erholung. Oder verzichte auf das Frühstück und iss erst ab Mittag.

Wir können auch zwischendurch einmal einen oder zwei Tage fasten. Aber auch hier empfehle ich: Wenn du Adipositas hast und abnehmen willst, sprich mit einem Arzt oder einer Ernährungsberaterin. Die können einen individuellen Plan für die erstellen.

Unsere Zeit ist kurz! Nützen wir sie! Es geht bei uns Menschen über 50 nicht um Schönheit. Die kommt sowieso von innen! Es geht um unsere Gesundheit!  Es geht um die Verbesserung unserer Lebensqualität. Es geht um die Verlangsamung des Fortschreitens der Gefäßverkalkung und somit das Verhindern einer chronischen Nierenerkrankung. Es geht um ein gesundes  Leben im Alter! Bleiben wir in Bewegung!

Quelle: Weltnierentag, 9.3.2017, Med. Universitätsklinik Graz, „ Niere und Adipositas“

 

Ein Gedanke zu „Weltnierentag am 9.3.2017

  1. Petra Kittinger

    Hi Doris,
    toll hast du deinen Blog gemacht.
    Gratuliere!

    Ich wünsche dir viel Erfolg damit.

    Bis bald und lg Petra

    Antworten

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